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Infostand Sprem - Wahlkampfende


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Samstag, 26. September 2009

 

Am heutigen Tag ging es in den Endspurt. Eine körperlich geschwächte Truppe begab sich am Abend in die Endspurtphase. Von 19.00 bis 24.00 Uhr wurde ein Infostand in der Cottbusser Sprem (das ist kein Fluss, sondern eine Einkaufstrasse) eingerichtet. An diesen Abend gab es den Startschuss für den Bauernmarkt in der gesamten verkehrsberuhigten Zone. Außerdem waren die Geschäfte bis 24.00 Uhr geöffnet. Der rege Passantenstrom sollte für letzte Überzeugungsgespräche eine wirkungsvolle Grundlage liefern. Das hat auch funktioniert. Dabei wurden die Menschen nicht nur durch die Kandidaten und ihre eifrigen Helfer an unseren Informationsstand gelotst, sondern der kostenlos ausgeschwenkte Rotwein sorgte für die nötige Offenheit und Ehrlichkeit bei der politischen Auseinandersetzung.

Ich habe circa 30 Gespräche geführt. In gut zwei Dritteln der Gespräche wurde mir mitgeteilt, dass man die LINKE entweder bereits gewählt habe oder dies morgen tun werde. Mehrere Bürger haben sich an den Stand begeben, weil sie unmittelbar Fragen zu meiner Biographie hatten. Man wollte wissen, warum ich ausgerechnet im Osten kandidiere, warum ein Bundesrichter überhaupt in den Bundestag ginge, warum ich die SPD und die Grünen verlassen habe (sehr ausführlich zum nachlesen: http://www.wolfgang-neskovic.de/artikel/rubikon-ueberschreiten). Ich habe die Geschichte meiner Kandidatur dargestellt und auch die Motivation, im Osten kandidieren zu wollen. Ich habe mir dabei den Hinweis verkniffen, dass ich mir im Westen schon früher wegen meiner linken Gesinnung die rechte Parole anhören musste: „Geh doch gleich in den Osten!“ Nun bin ich hier. Allerdings ist dies kein später Nachhall dieser Parole, sondern meine jetzige Anwesenheit hier in der Region ist auf die vielen Ungerechtigkeiten zurückzuführen, die die Wiedervereinigung zwischen Ost und West bis heute prägen. Daniela Dahn hat das in ihrem Buch „Wehe den Siegern“ überzeugend beschrieben. In der Einkaufstrasse haben wir versucht, den Menschen zu verdeutlichen: Die Wahlentscheidung am 27. September für DIE LINKE kann dabei helfen, diese Ungerechtigkeiten zu mildern. Das Land braucht eine starke LINKE, damit die anderen Parteien sozialer werden.

Fünf Gespräche waren besonders anstrengend, weil es sich bei den Gesprächspartnern um bekennende Nichtwähler handelte. Ihre Argumente beruhten im Kern darauf, dass die Politiker ohnehin machen, was sie wollen. Deswegen sei die Wahl sinnlos. Bei allen fünf Gesprächspartnern war eine Unzufriedenheit mit der persönlichen und wirtschaftlichen Situation erkennbar. Hier habe ich eingehakt und versucht klarzumachen, dass es dafür auch eine konkrete politische Verantwortlichkeit gibt. Bei anderen politischen Verhältnissen könnten die Umstände auch ganz andere sein. Dieser Hinweis wurde mit dem Satz gekontert: „Versprechen tun die Politiker viel, halten tun sie nichts.“

Ich habe dem entgegengehalten, dass die LINKE bislang gar nicht in der Bundesregierung gewesen sei, so dass gar nicht feststünde, ob auch sie ihre Versprechen brechen würde. Deswegen bedeutete eine Nichtwahl die sichere Fortführung der Verhältnisse, an denen sie Anstoß nehmen, während bei der Wahl der LINKEN lediglich das Risiko bestünde, dass die Verhältnisse sich nicht ändern. Zwei Gesprächspartnern leuchtete das ein. Einem weiteren Gesprächspartner konnte ich mit zusätzlichen Argumenten zumindest ein nachdenkliches Gesicht abringen. Eine Dame (mit einem Kochlöffel bewaffnet) erwies sich als argumentativ unüberwindbar. Ihre Vorurteile gegen Hartz IV - Empfänger haben meine Fähigkeit zur Selbstdisziplin bis zum Äußersten beansprucht. Sie geriet erst in die Defensive, als ein weiterer Bürger sich einschaltete, sich als Hartz IV  - Empfänger auswies und ihre Bewertung als ungerechtfertigte Pauschalierung zurückwies. Schließlich hat meine Stimme gestreikt und dadurch dem Gespräch eine Ende gesetzt. Zwischenzeitlich war es schon nach 24.00 Uhr, der Stand war bereits abgebaut und ich begab mich ins Bett. Teile meines Teams haben das nicht als angemessenes Ende unseres Wahlkampfes angesehen und sich deswegen dem Nachtleben in Cottbus anvertraut.

    
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Ein schöner Abend und erst der leckere Rotwein. Glückwunsch zum guten Ergebnis!!!

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